Endometriose – Wenn Schmerzen zur Regel werden

Ein aus­führlich­er Bericht über den Behand­lungs­plan an der Char­ité Frauenklinik.

Endometriose ist eine der häu­fig­sten Unter­leibs-Erkrankun­gen bei Frauen. Unge­fähr jede 10. Frau lei­det an den Beschw­er­den, und oft dauert es Jahre. Bis dahin ver­suchen viele Frauen, irgend­wie mit ihren Schmerzen zurechtzukom­men. Sie glauben, selb­st stärk­ste Schmerzen seien nor­mal und gehörten zur Regel­blu­tung dazu. Um Wege zu find­en, mit den Beschw­er­den umzuge­hen bzw. eine Ther­a­pie anzuge­hen, ist es wichtig, den eige­nen Kör­p­er und seine Reak­tio­nen ken­nen­zuler­nen. Gute Infor­ma­tio­nen und die Zusam­me­nar­beit mit erfahre­nen, unter­stützen­den Ärzt:innen. Um Ihnen einen besseren Ein­blick in die Ther­a­pie zu ermöglichen, haben wir für Sie diesen Beitrag zusammengestellt.

An unserem Endometriose-Zen­trum arbeit­en speziell aus­ge­bildete gynäkol­o­gis­che Expert:innen. Hier wer­den Wis­sen und Kom­pe­tenz zu dieser kom­plex­en Erkrankung gebün­delt. Die Zusam­me­nar­beit zwis­chen ver­schiede­nen ärztlichen Diszi­plinen ist eng.

Im Durch­schnitt verge­hen in Deutsch­land sechs Jahre vom Auftreten der ersten Symp­tome bis zur Diag­nose von Endometriose. Die Gründe für diesen unnötig lan­gen Lei­densweg sind meist man­gel­ndes Wis­sen und fehlende Erfahrung mit dieser Erkrankung. Genau hier set­zt die Idee eines zer­ti­fizierten Endometriosezen­trums an: Hier wer­den Pati­entin­nen von speziell aus­ge­bilde­ten Expert:innen betreut und behan­delt. So wer­den Wis­sen und Kom­pe­tenz gebün­delt und zum Nutzen der Pati­entin­nen einge­set­zt. Die Zusam­me­nar­beit zwis­chen den
ärztlichen Diszi­plinen wird täglich praktiziert.

Endometriose ist eine der häu­fig­sten Unter­leibs-Erkrankun­gen bei Frauen. Die Ursache sind Ansied­lun­gen von Gebär­mut­ter­schleimhaut außer­halb der Gebär­mut­ter. Fach­leute beze­ich­nen solche Gewe­bein­seln auch als „Endometriose-Herde“. Sie kön­nen vorkom­men, ohne dass eine Frau davon etwas spürt. Bei anderen ist Endometriose aber eine chro­nis­che Erkrankung, die starke Schmerzen verur­sacht und die Frucht­barkeit min­dert. Oft dauert es Jahre, bis eine Endometriose als Ursache der Beschw­er­den fest­gestellt wird. Bis zur Diag­nose ver­suchen viele Frauen, irgend­wie mit ihren Schmerzen zurechtzukom­men. Sie glauben, selb­st stärk­ste Schmerzen seien nor­mal und gehörten zur Regel­blu­tung dazu.

Bis­lang lässt sich Endometriose nicht voll­ständig heilen – aber es gibt ver­schiedene Möglichkeit­en, die Beschw­er­den zu behan­deln. Wenn die Ther­a­pie auf die per­sön­lichen Leben­sum­stände und die Aus­prä­gung der Erkrankung abges­timmt ist, kön­nen viele Frauen recht gut mit Endometriose leben.

Wie bei anderen chro­nis­chen Krankheit­en ist es wichtig, den eige­nen Kör­p­er und seine Reak­tio­nen ken­nen­zuler­nen, um Wege zu find­en, mit den Beschw­er­den umzuge­hen. Gute Infor­ma­tio­nen und die Zusam­me­nar­beit mit erfahre­nen, unter­stützen­den Ärzt:innen kön­nen dabei helfen.

Symptome

Das Haupt­symp­tom ein­er Endometriose sind Unter­leib­ss­chmerzen. Sie treten oft zusam­men mit der Regel­blu­tung, während oder nach dem Geschlechtsverkehr auf. Die Schmerzen kön­nen mal stärk­er, mal schwäch­er sein und in den Unter­bauch, den Rück­en und die Beine ausstrahlen. Sie wer­den oft als kramp­far­tig erlebt und kön­nen von Übelkeit, Erbrechen und Durch­fall begleit­et sein.

Wie sich die Schmerzen äußern, hängt auch davon ab, wo sich Gebär­mut­ter­schleimhaut in der Bauch­höh­le fest­ge­set­zt hat. Endometriose-Herde kön­nen zum Beispiel außen auf der Gebär­mut­ter oder in der Wand eines Eileit­ers wach­sen. Häu­fig sind zudem die Eier­stöcke, der „Douglas’sche Raum“ zwis­chen Gebär­mut­ter und End­darm sowie das dazuge­hörige Bindegewebe betrof­fen. Wenn die Eier­stöcke oder Eileit­er befall­en sind, ist oft die Frucht­barkeit beeinträchtigt.

Manch­mal bilden sich Endometriose-Herde auch in Orga­nen wie der Blase oder dem Darm, was zu Prob­le­men beim Wasser­lassen und beim Stuhl­gang führen kann. Eine schwere Endometriose kann die Leben­squal­ität und Leis­tungs­fähigkeit stark einschränken.

Damit Sie einen besseren Ein­druck über die Behand­lungsmöglichkeit­en erhal­ten, haben wir für Sie im fol­gen­den Abschnitt eine chro­nol­o­gis­che Über­sicht eines möglichen Behand­lungs­plans erstellt. Eine typ­is­che Endometriose-Ther­a­pie sieht in unserem Endometriosezen­trum (Lev­el III) fol­gen­der­maßen aus:

1. Erstvorstellung

Nun ste­ht er an, Ihr erster Ter­min in unserem Endometriosezen­trum. Vielle­icht hat­ten Sie Glück und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat Sie bere­its früh darauf hingewiesen, dass Ihre Beschw­er­den in Zusam­men­hang mit Endometriose ste­hen kön­nten. Vielle­icht erg­ing es Ihnen aber auch wie vie­len anderen Lei­densgenossin­nen und es kostete Sie Jahre und viele Arztbe­suche bis das Wort Endometriose das erste Mal fiel.

Ziel des ersten Ter­mins, der soge­nan­nten Erstvorstel­lung, ist zu Allererst eine aus­führliche Erhe­bung Ihrer Krankheits­geschichte (Anam­nese). Um sich opti­mal auf den Besuch vorzu­bere­it­en, bit­ten wir Sie vor­ab unseren Anam­ne­se­bo­gen auszufüllen. Dies unter­stützt Sie dabei entschei­dende Tat­sachen in der Aufre­gung des Arzt­ge­spräch­es nicht zu vergessen. Ihrer Ärztin oder Ihr Arzt hil­ft es, Ihre Beschw­er­den (Symp­tome) voll­ständig zu ver­ste­hen und zu dokumentieren.

Im per­sön­lichen Gespräch wer­den die Ergeb­nisse des Anam­ne­se­bo­gens mit Ihnen zusam­menge­fasst und her­aus­gear­beit­et, welche Beschw­er­den bei Ihnen im Vorder­grund ste­hen. Hier­bei spie­len nicht nur Ihre Schmerzen und Blu­tungs­beschw­er­den eine Rolle, son­dern z.B. auch Ver­dau­ungs­beschw­er­den, ob Sie in naher Zukun­ft eine Fam­i­lie grün­den wollen und wie sehr Sie selb­st oder vielle­icht auch Ihre Part­ner­schaft durch Ihre Beschw­er­den belastet sind.

Mit Ihrem Ein­ver­ständ­nis wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine aus­führliche kör­per­liche Unter­suchung anschließen. Vieles ken­nen Sie sich­er schon von Ihren regelmäßi­gen Unter­suchun­gen beim Fraue­narzt. Nichts­destotrotz ist eine Unter­suchung bei Ver­dacht auf Endometriose noch ein wenig ausführlicher:

Zu Beginn wird eine soge­nan­nte Spiegele­in­stel­lung (Speku­lu­munter­suchung) durchge­führt. Hier­bei ist es möglich das gesamte äußere Gen­i­tale (Vul­va) und die Schei­de (Vagi­na) zu inspizieren. Beson­ders der Mut­ter­mund (Por­tio) und das hin­tere Schei­dengewölbe müssen gründlich ange­se­hen wer­den, da hier­bei möglicher­weise bere­its Endometriose­herde erkan­nt wer­den können.

Als näch­stes wird eine Tas­tun­ter­suchung durchge­führt. Hier­bei führt die Ärztin oder der Arzt ein oder nacheinan­der zwei Fin­ger in die Schei­de ein. Endometriose­herde am Mut­ter­mund oder zwis­chen Schei­de und End­darm, die als schmerzhafte Ver­här­tun­gen oder Knötchen getastet wer­den kön­nen, fall­en oft schon hier­bei auf. Man kann außer­dem über das zusät­zliche Tas­ten mit der anderen Hand über die Bauchdecke (bimanuelle Tas­tun­ter­suchung) Lage und Beweglichkeit der Gebär­mut­ter und möglicher­weise Zys­ten am Eier­stock ertas­ten. Ob Ihre Beck­en­bo­den­musku­latur auf­grund Ihrer Beschw­er­den bere­its stark anges­pan­nt ist, kann man eben­falls beurteilen. Zum Abschluss der Tas­tun­ter­suchung wird außer­dem ein Fin­ger in den End­darm einge­führt (rek­tale Unter­suchung), während ein weit­er­er Fin­ger in der Schei­de bleibt. Dies ist beson­ders wichtig, um mögliche Endometriose­herde mit Darm­beteili­gung zu ertas­ten. Diese bleiben lei­der immer noch häu­fig unerkan­nt, weswe­gen wir großen Wert auf diesen Teil der Unter­suchung leg­en. Auch wenn sich eine rek­tale Unter­suchung erst ein­mal pein­lich oder unan­genehm anhört — Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen dabei helfen sich zu entspan­nen und Sie wer­den sehen, dass dieser Teil der Unter­suchung längst nicht so unan­genehm ist, wie gedacht.

Der Tas­tun­ter­suchung schließt sich eine Ultra­schal­lun­ter­suchung an. Auf­grund der deut­lich besseren Beurteil­barkeit sollte der Ultra­schal­lkopf über die Schei­de einge­führt wer­den (trans­vagi­nal). Jed­er Unter­suchende hat hier­bei ein eigenes Schema, welch­es dabei hil­ft alle Organe der Rei­he nach zu beurteilen und keines zu vergessen. Ein Blick auf die Harn­blase lässt bere­its einen Schluss zu, ob diese von Endometriose befall­en ist. Es sollte außer­dem in jedem Falle beurteilt wer­den, ob zwis­chen Schei­de und End­darm Endometriose­herde zu sehen sind oder ob anson­sten Hin­weise für eine Darm­beteili­gung vor­liegen. Es sollte beurteilt wer­den, ob die Gebär­mut­ter zu Blase und Darm ver­schieblich ist oder ob es bere­its Hin­weise auf Verwach­sun­gen gibt. Der oder die Unter­suchende wird sich außer­dem die Gebär­mut­ter selb­st gründlich anse­hen – oft kann man durch den Ultra­schall eine Endometriose der Gebär­mut­ter (Ade­no­myose oder Ade­no­myosis uteri) fest­stellen. Auch die Eier­stöcke wer­den gründlich inspiziert. Soll­ten sich in diesem Bere­ich soge­nan­nte Endometri­ome (Endometriose-Zys­ten am Eier­stock) befind­en, kann man das mit dem Ultra­schall gut erken­nen. Wenn Sie sich schon ein biss­chen mit Endometriose auseinan­derge­set­zt haben, wis­sen Sie vielle­icht bere­its, dass sich Endometriose­herde häu­fig auf dem Bauch­fell (Peri­toneum) befind­en. Diese Herde kann man im Ultra­schall in der Regel nicht erken­nen. Alle weit­eren typ­is­chen Lokali­sa­tio­nen lassen sich dage­gen mit dem Ultra­schall beurteilen. Immer häu­figer find­en vor allem auch sehr junge Frauen den Weg zu uns in die Sprech­stunde. Wenn Sie noch keinen Geschlechtsverkehr hat­ten, ist ein trans­vagi­naler Ultra­schall oft nicht möglich.

Viele Ärzte machen dann einen soge­nan­nten Bauchul­tra­schall. Mit dieser Meth­ode ist aber eine Beurteilung der Organe wie oben beschrieben nur schw­er möglich. Daher empfehlen wir in diesem Fall einen Ultra­schall vom Darm aus an. Das hört sich zunächst ein­mal unan­genehm an (das ist der Ärztin oder dem Arzt natür­lich bewusst), aber man kann hier­mit die Organe ähn­lich gut beurteilen, wie bei einem Ultra­schall von der Schei­de aus.

Eventuell wird im Anschluss an die trans­vagi­nale Unter­suchung noch ein Schall der Nieren durchge­führt. Soll­ten sich bei der vor­ange­gan­genen Unter­suchung Hin­weise auf tief infil­tri­erende Endometriose mit Beteili­gung der Harn­leit­er ergeben haben, muss ihre Ärztin oder Ihr Arzt auss­chließen, dass bere­its ein Harn­stau vor­liegt. Ein Harn­stau macht zu Beginn keine Beschw­er­den und so kann er unbe­merkt voran­schre­it­en bis die Niere wom­öglich nicht mehr richtig funk­tion­iert. Zum Glück ist das bei Endometriose sel­ten der Fall.

Nach erfol­gtem Anam­ne­sege­spräch und der Unter­suchung wer­den die erhobe­nen Befunde zusam­menge­fasst und erörtert, wie wahrschein­lich die Diag­nose Endometriose ist. Um die Diag­nose Endometriose zu stellen, ist aus unser­er Sicht keine beweisende Oper­a­tion mit feingewe­blich­er Unter­suchung nötig. Eine geübte Ärztin oder ein geübter Arzt kön­nen die Diag­nose auch auf­grund der Anam­nese und Unter­suchungs­be­funde mit hoher Sicher­heit stellen.

Spätestens nach erfol­gter Diag­nose ist dann die Zeit gekom­men zu erk­lären was Endometriose über­haupt ist, wie sie entste­ht, welche Ther­a­pieop­tio­nen beste­hen und welche Schritte zum aktuellen Zeit­punkt für Sie sin­nvoll sind. Dies hängt näm­lich maßge­blich von Ihren Beschw­er­den, Ihrem Unter­suchungs­be­fund und Ihrer aktuellen Lebenssi­t­u­a­tion ab. Gemein­sam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wer­den Sie dann am Ende Ihres Erstvorstel­lungs-Ter­mins einen Behand­lungs­plan fes­tle­gen, der Ihren Bedürfnis­sen und Ihrer indi­vidu­ellen Sit­u­a­tion gerecht wird.

Endometriose ist eine chro­nis­che Erkrankung und obwohl wir mit­tler­weile viel tun kön­nen, um Beschw­er­den zu lin­dern oder sog­ar zu beseit­i­gen, kön­nen wir sie (noch) nicht heilen. Das heißt, dass Endometriose Sie wahrschein­lich so lange begleit­en wird, solange Sie ihre Monats­blu­tun­gen haben. Außer­dem wird jed­er Ther­a­pi­eschritt Ihre Mitar­beit erfordern – egal, ob Sie regelmäßig ein Hor­mon­prä­parat ein­nehmen, eine Oper­a­tion geplant wird und/oder Sie mit Hil­fe eines mul­ti­modalen Schmerzther­a­pie Konzeptes der Endometriose begeg­nen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich gut mit dieser Erkrankung ausken­nen. Wir möcht­en Ihnen auf diesem Weg helfen und Ihnen ein­er­seits anhand des Behand­lungs­planes auf Ihrem per­sön­lichen Weg die näch­sten Schritte erk­lären und ander­er­seits anhand des Rat­ge­bers generelle Fra­gen beant­worten und aufklären.

Unser Tipp: Schreiben Sie jet­zt schon alle Fra­gen auf!

Weitere Diagnostik

Manch­mal sind weit­ere diag­nos­tis­che Maß­nah­men sin­nvoll um die Aus­bre­itung der Endometriose noch genauer ein­schätzen und das weit­ere Pro­cedere zuver­läs­sig pla­nen zu können.

Dazu kön­nen fol­gende Unter­suchun­gen gehören:

● Sig­moi­doskopie mit Endosono­gra­phie (End­dar­munter­suchung)

Dies ist eine spezielle Art der Darm­spiegelung, bei der ein flex­i­bler Schlauch mit einem speziellen Ultra­schal­lkopf an der Spitze in den Darm einge­führt wird um die Wand­schicht­en des Darms hin­sichtlich des Einwach­sens ein­er Endometriose beurteilen zu kön­nen. Mit der kom­binierten End­darm­spiegelung, bei der man mit­tels im Schlauch inte­gri­ert­er Kam­era auch die inner­ste Schicht der Darmwand beurteilen kann, kön­nen auch eventuelle Eng­stellen beurteilt werden.

● Koloskopie (kom­plette Dickdarmspiegelung)

Bei ein­er klas­sis­chen Darm­spiegelung, der Koloskopie, wird eben­falls ein flex­i­bler Schlauch in den Darm einge­führt. Dieser hat im Gegen­satz zur Endosono­gra­phie eine inte­gri­erte Kam­era und kann daher nur die Darm­schleimhaut, also die inner­ste Schicht des Darms von innen beurteilen. Ein Einwach­sen der Endometriose bis in das Innere des Darms ist aber sehr sel­ten und kann meist nur während der Blu­tung ent­deckt wer­den. Diese Unter­suchung alleine ist daher sel­ten hil­fre­ich für die Diag­nose ein­er Endometriose. In Einzelfällen ist sie den­noch sin­nvoll um hochgele­gene Darmab­schnitte und eventuelle durch Endometriose­herde verur­sachte Eng­stellen ent­deck­en zu können.

Neueste Geräte besitzen ein Endoskop mit inte­gri­ert­er Kam­era und Ultra­schal­lkopf, sodass man die Endosono­gra­phie und Koloskopie kom­binieren kann. Alle Unter­suchun­gen sind selb­stver­ständlich nicht gefährlich und helfen uns sehr Ihre Erkrankung bess­er zu verstehen.

● Nieren­sz­inti­gra­phie

Mit ein­er Nieren­sz­inti­gra­phie kann die Funk­tions­fähigkeit bei­der Nieren abgek­lärt wer­den. Dies ist zu erwä­gen, wenn sich in der Ultra­schal­lun­ter­suchung ein Nieren­stau dargestellt hat. Dabei ist im Gegen­satz zu den Blu­tun­ter­suchun­gen eine seit­enge­tren­nte Analyse der Nieren­funk­tion möglich. Für eine Nieren­sz­inti­gra­phie muss man nicht nüchtern sein, man sollte sog­ar ins­beson­dere auf eine aus­re­ichend Flüs­sigkeit­sauf­nahme acht­en. Hier eignet sich Wass­er am besten. Während Sie auf ein­er Liege für mind. 30 min ruhig liegen, wird Ihnen über eine Flexüle (Venen­ver­weilkatheter) eine leicht radioak­tive Sub­stanz appliziert, welche sich zunächst im Kör­p­er verteilt und dann über die Nieren aus­geschieden wird. Eine spezielle Kam­era nimmt nun über min­destens 30 Minuten Bilder von Ihnen auf und kann so den Weg der radioak­tiv­en Sub­stanz in Ihrem Kör­p­er nachvol­lziehen und die über die Nieren aus­geschiedene Menge analysieren. Die Unter­suchung ist mit ein­er gerin­gen Strahlen­ex­po­si­tion ver­bun­den, die etwa einem Drit­tel der jährlichen natür­lichen Strahlen­ex­po­si­tion in Deutsch­land entspricht. Die Strahlen­be­las­tung kann durch Entleerung der Blase nach der Unter­suchung weit­er reduziert werden.

● Zys­toskopie

Bei Ver­dacht auf Blase­nen­dometriose kann eine Blasen­spiegelung durch einen Urolo­gen oder manch­mal auch Gynäkolo­gen durchge­führt wer­den. Dabei kann die Ober­fläche der Blasen­wand von innen beurteilt wer­den, jedoch nicht durch die ver­schiede­nen Schicht­en der Blasen­wand geschaut wer­den. Bei Vor­wöl­bung der Blasen­wand nach innen durch das Vor­drin­gen von Endometriose in die Wand kann zur Sicherung der Diag­nose ggf. eine Gewe­beprobe ent­nom­men wer­den. Eine Ent­fer­nung der Endometriose durch die Blase ist jedoch nicht sin­nvoll, da die Endometriose durch diesen Zugang nicht voll­ständig ent­fer­nt wer­den kann. Eine Blasen­spiegelung wird auch durchge­führt, wenn die Harn­leit­er geschient wer­den müssen. Dies ist zum Beispiel sowohl bei einem Harn­leit­er- oder Nieren­stau unter gewis­sen Umstän­den sin­nvoll, als auch vor aus­gedehn­ten Oper­a­tio­nen im Bere­ich
der Harn­leit­er.

● MRT

Die Mag­ne­tres­o­nanz­to­mo­gra­phie (MRT) ist eine Schnit­tbildge­bung ohne Rönt­gen oder radioak­tive Strahlen. Mith­il­fe eines starken Mag­net­feldes und Radiow­ellen kön­nen so sehr genaue Bilder des Kör­perin­neren erstellt wer­den. Inner­halb des Beck­ens beste­ht kein zusät­zlich­er Nutzen der MRT zum trans­vagi­nalen Ultra­schall in der Hand eines Geübten. Außer­halb des Beck­ens ist die MRT jedoch allen anderen nicht inva­siv­en Unter­suchun­gen über­legen, sodass bei Ver­dacht auf atyp­is­che oder sehr aus­geprägte Endometriose eine MRT zur besseren Ther­a­pie und Oper­a­tions­pla­nung in Erwä­gung gezo­gen wer­den sollte.

Eine Com­put­er­to­mo­gra­phie (CT) spielt in der Diag­nos­tik der Endometriose keine Rolle.

● Vorstel­lung Kinderwunschzentrum

Wenn Sie bere­its länger als ein Jahr erfol­g­los ver­suchen schwanger zu wer­den, soll­ten Sie sich gemein­sam mit Ihrem Part­ner in einem Kinder­wun­schzen­trum vorstellen. Dort wer­den zunächst weit­ere Unter­suchun­gen Ihrer Hor­mone als auch Unter­suchun­gen Ihres Part­ners durchge­führt (z.B. Über­prü­fung der Samen­qual­ität (Spermiogramm). Ein gemein­samer Fahrplan und Absprachen mit Ihnen zwis­chen Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und Ihrem Kinder­wun­schzen­trum sind unab­d­ing­bar. Eine Oper­a­tion zum Auss­chluss ein­er Endometriose sollte z.B. erst durchge­führt wer­den, wenn männliche Ursachen der Steril­ität aus­geschlossen worden.

● Gegebe­nen­falls andere Diszi­plinen (Gas­troen­terolo­gie, All­ge­meinchirurgie, HNO, …)

Je nach Beschw­er­den ist es ggf. sin­nvoll weit­ere Fachrich­tun­gen in die Diag­nos­tik einzubeziehen. Unter gewis­sen Umstän­den kann es z.B. sin­nvoll sein Nahrung­sun­verträglichkeit­en oder chro­nisch entzündliche Darmerkrankun­gen
auszuschließen bevor weit­ere diag­nos­tis­che oder ther­a­peutis­che Schritte ein­geleit­et werden.

medizinischer Querschnitt eines Frauenunterleibes mit Beschriftung der Geschlechtsorgane.

Therapiesäule 1: Multimodale Therapie


Endometriose wird als chro­nis­che Erkrankung ver­standen, so dass wir die ver­schiede­nen Optio­nen mul­ti­modale Ther­a­pie, hor­monelle Ther­a­pie und/oder Oper­a­tion besprechen und ein indi­vidu­elles der jew­eili­gen Lebenssi­t­u­a­tion angepasstes Ther­a­piekonzept gemein­sam erarbeiten.

Wir stellen ihnen die Säulen der Behand­lung im Fol­gen­den genauer vor.

Säule 1: Die multimodale Therapie

Unter dem Begriff „mul­ti­modales Ther­a­piekonzept“ ver­ste­hen wir eine Vielzahl an unter­stützen­den (sup­port­iv­en) Maß­nah­men, die Ihren monatlichen Schmerzen auf ver­schiede­nen Ebe­nen begeg­nen. In manchen Fällen liegen keine wis­senschaftlichen Beweise (keine wis­senschaftliche Evi­denz) dafür vor, dass die Meth­ode hil­ft. Den­noch gilt in diesem Fall der Grund­satz „wer heilt hat recht“. Das soll heißen: Wenn Ihnen eine Meth­ode hil­ft, braucht man keinen wis­senschaftlichen Beweis dafür.

Das mul­ti­modale Ther­a­piekonzept soll Sie in jedem Fall begleit­en – egal, ob Sie sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt für eine kon­ser­v­a­tive oder oper­a­tive Ther­a­pie entschei­den. Im Fol­gen­den wer­den einige Meth­o­d­en der Ther­a­pie vorgestellt. Es liegt danach an Ihnen diese auszupro­bieren und für sich selb­st her­auszufind­en, was Ihnen hil­ft. Dieser Weg kann sehr indi­vidu­ell sein und ist von Pati­entin zu Pati­entin unter­schiedlich. Dies kann gele­gentlich auch etwas Geduld und Selb­st­diszi­plin erfordern. Manch­mal ist es näm­lich gar nicht so leicht, unter all den Ange­boten das zu find­en, was einem selb­st am meis­ten hil­ft. Vielle­icht eignet sich für Sie dann eine Reha­bil­i­ta­tions­be­hand­lung (kurz „Reha“), bei der sie ver­schiedene Ther­a­pieop­tio­nen kennenlernen.

Medikamentöse Schmerztherapie

Während hor­monelle oder oper­a­tive Ther­a­pie darauf abzie­len, die Endometriose selb­st zu bekämpfen, ist das Ziel der medika­men­tösen Schmerzther­a­pie die durch die Endometriose verur­sacht­en Schmerzen zu bekämpfen. Dies ist wichtig, da der men­schliche Kör­p­er ein soge­nan­ntes „Schmerzgedächt­nis“ hat. Das bedeutet, dass der Kör­p­er bei lan­gan­hal­tenden Schmerzen irgend­wann auch dann Schmerzsig­nale ans Gehirn sendet, wenn der Schmerzreiz gar nicht mehr vorhan­den ist. Man spricht dann von chro­nis­chem Schmerz. Außer­dem kommt es vor, dass der Kör­p­er lange beste­hen­den Schmerz noch inten­siv­er wahrn­immt. Im Ver­lauf wird das schmerzhafte Kör­per­areal ver­größert und in dem sen­si­bil­isierten Bere­ich kann bere­its eine ein­fache Berührung schmerzhaft sein.

Aus diesem Grund wird emp­fohlen Schmerzen nicht tapfer zu ertra­gen, son­dern ihnen mit geeigneten Schmerzmit­teln zu begeg­nen. Geeignet meint hier­bei, dass Menge und Dosierung ein gewiss­es Maß nicht über­schre­it­en dür­fen und auch nur Medika­mente kom­biniert wer­den soll­ten, die einen sich ergänzen­den Effekt haben. Soll­ten Ihnen die in der Apotheke rezept­frei käu­flichen gängi­gen Schmerzmit­tel in den zuge­lasse­nen Dosierun­gen in manchen Sit­u­a­tio­nen nicht aus­re­ichend helfen, ist vielle­icht ein stärk­eres, ver­schrei­bungspflichtiges Medika­ment angezeigt. Sprechen Sie Ihre behan­del­nden Ärzte darauf an. In manchen Sit­u­a­tio­nen kann es auch sin­nvoll sein sich in einem Schmerzzen­trum vorzustellen, um dort einen indi­vidu­ellen Ther­a­pieplan zu erhalten.

Ernährungsumstellung/Ernährungsberatung

Zuallererst gilt es zu beto­nen, dass es auch im Bere­ich Ernährung noch keine wis­senschaftlichen Beweise für die Wirk­samkeit ein­er bes­timmten „Endometriose-Diät“ gibt. Manche Stu­di­en wider­sprechen sich auch und so kann
keine generelle bzw. absolute Empfehlung aus­ge­sprochen wer­den. Viele Frauen bericht­en aber, dass eine auf sie abges­timmte Ernährung­sum­stel­lung ihnen gut getan hat.

Beson­ders die Endometriose-assozi­ierten Darmbeschw­er­den (der sog. endo-bel­ly) kön­nen mit der richti­gen Ernährung gelin­dert wer­den. Dies­bezüglich kann es helfen Gluten und Zuck­er sowie Milch­pro­duk­te ein­mal zu reduzieren bzw. diese Lebens­mit­tel ver­such­sweise ganz wegzu­lassen. Auch Pro­bi­oti­ka kön­nen dabei helfen die Darm­flo­ra zu unter­stützen und Darm­prob­leme zu reduzieren.

Die weni­gen Stu­di­en, die es mit­tler­weile bezüglich eines Zusam­men­hangs zwis­chen Ernährung und Endometrioserisiko gibt, leg­en nahe, dass der Verzehr von viel frischem (vorzugsweise grünem) Gemüse, Omega 3 Fettsäuren, Sojapro­duk­ten und Milch­pro­duk­ten, die viel Cal­ci­um und Vit­a­min D enthal­ten, das Risiko reduzieren. Dage­gen scheinen gesät­tigte Fettsäuren, rotes Fleisch und Alko­hol das Endometrioserisiko zu erhöhen. Bezüglich Obst und Kaf­fee gibt es wider­sprüch­liche Dat­en, so dass dies­bezüglich keine ein­deutige Empfehlung aus­ge­sprochen wer­den kann. Es gibt außer­dem Stu­di­en, die zeigten, dass antiox­ida­tive Vit­a­mine (Vit­a­min A, C und E), Vit­a­min B, sowie Zink und Fol­säure risiko­re­duzierend zu sein scheinen. Hochdosiertes Vit­a­min D kon­nte in Stu­di­en auch einen gün­sti­gen Effekt bei Endometriose bele­gen. Auch die Sub­sti­tu­tion von Fis­chöl reduzierte in ein­er Studie das Endometrioserisiko. Dass sich Grün­tee­ex­trakt reduzierend auf Endometrioselä­sio­nen auswirkt, ist zwar bish­er nur in Tierver­suchen gezeigt wor­den, es kann aber ver­such­sweise angewen­det werden.

Manche Pati­entin­nen reagieren bei der Auf­nahme von his­t­a­min­halti­gen Lebens­mit­teln mit ver­stärk­ten Darmbeschw­er­den oder sog­ar Schmerz­zu­nahme, auch hier lohnt es sich zu forschen, ob hier einen Zusam­men­hang beste­hen kann.

Es ist wichtig für sich selb­st her­auszufind­en, was einem gut­tut und welche Nahrungsmit­tel die Beschw­er­den ver­stärken. Hier bietet es sich an ein „Beschw­erde­tage­buch“ zu führen und genau aufzuze­ich­nen, was man wann
gegessen und wie man sich an dem Tag gefühlt hat. Wenn man einen Ver­such wagen und bes­timmte Nahrungsmit­tel ganz vom Speise­plan stre­ichen will, ist es sin­nvoll nicht mehrere Nahrungsmit­tel auf ein­mal wegzu­lassen. Geht es einem näm­lich bess­er, ist manch­mal unklar auf das Weglassen welchen Nahrungsmit­tels
die Besserung zurück­zuführen ist.

Bleiben Sie auf ihrem indi­vidu­ellen Weg neugierig und ver­suchen Sie Ihre Ernährung Schritt für Schritt umzustellen. Und sollte mal der Heißhunger zu groß sein, gön­nen Sie sich ihr Leibgericht mit Genuss. Es ist keinem geholfen, wenn durch Gewis­sens­bisse der Spaß am Essen und damit die Leben­squal­ität abnimmt.

Aus den Erfahrun­gen der Frauen zeigt sich aber wie sehr man Ein­fluss nehmen kann (Bericht Anna Lena Wilken mit ihrem Buch: In der Regel bin ich stark). Daher hal­ten wir dieses The­ma auch für sehr wichtig und sind ger­ade dabei auch in diesem Bere­ich Forschung­spro­jek­te ins Leben zu rufen.

Psychisches Wohlbefinden — Psychosomatische Vorstellung oder
Psychotherapie

Stu­di­en kon­nten zeigen, dass die psy­chis­che Ver­fas­sung einen großen Ein­fluss auf das Schmerzempfind­en haben kann. So weiß man, dass Men­schen mit Depres­sio­nen eine deut­lich ver­stärk­te Schmerzwahrnehmung haben. Ander­er­seits kann im Fall von Endometriose auch die Krankheit selb­st zu depres­siv­en Stim­mungen führen. Wenn Pati­entin­nen viele Jahre von Arzt zu Arzt laufen, ohne dass ihnen geholfen wird oder auf­grund der Schmerzen ihr soziales Leben beein­trächtigt wird, ist eine psy­chis­che Belas­tung oft eine typ­is­che Begleit­er­schei­n­ung oder wird sog­ar zum führen­den Symp­tom. Dies kon­nten wir an unseren bish­eri­gen Pati­entin­nen bestäti­gen. In ein­er Mas­ter­ar­beit ein­er Psy­cholo­gi­es­tu­dentin kon­nten wir bele­gen, dass mit zunehmender Schmerz­dauer auch das Risiko ein­er Depres­sion steigt. Um diesen Teufel­skreis zu durch­brechen, kann eine psy­cho­so­ma­tis­che oder psy­chol­o­gis­che Ther­a­pie sin­nvoll sein. Diese kann auch dabei helfen zu akzep­tieren, dass man an ein­er chro­nis­chen Erkrankung lei­det und Bewäl­ti­gungsstrate­gien zu entwickeln.

Uns liegt die psy­chis­che Gesund­heit unser­er Pati­entin­nen sehr am Herzen, daher sind wir sehr glück­lich, dass wir an der Char­ité ein umfassendes Forschung­spro­jekt anbi­eten kön­nen, ggf. wird der Arzt/Ärztin sie bezüglich ein­er Teil­nahme an der Studie ansprechen.

Zum Beispiel möcht­en wir den Zusam­men­hang zwis­chen Hor­monein­nahme und dem Auftreten von Depres­sion unter­suchen, zum anderen aber auch struk­turi­erte Inter­views durch­führen, um auch eine bessere Ken­nt­nis bezüglich der jew­eili­gen Sit­u­a­tion zu erlan­gen. Hier gibt es defin­i­tiv zu wenig Forschung, das wollen wir ändern.

Es ist außer­dem noch wichtig zu erwäh­nen, dass es viele Pati­entin­nen gibt deren Part­ner­schaft durch ihre chro­nis­che Erkrankung belastet ist. Auch das Sexleben kann durch den Endometriose-typ­is­chen Schmerz beim Geschlechtsverkehr (Dys­pare­unie) beein­trächtigt sein. Scheuen Sie sich also nicht auch eine Sex­u­al oder Paarther­a­pie in Erwä­gung zu ziehen. Auch hier haben wir eine sehr ein­fühlsame Kol­le­gin, die für sie und ihren Partner/Partnerin da ist (bei Inter­esse erfra­gen Sie nach einem Ter­min bei Frau Nicole Gehrmann, Gynäkolo­gin und Sex­u­alther­a­peutin in der Frauen­klinik der Charité).

Physiotherapie, Bewegung und Sport

Dass kör­per­liche Bewe­gung und Sport einen pos­i­tiv­en Effekt auf Kör­p­er und Seele haben, ist gut erforscht. Wie oben bere­its beschrieben, hat die Psy­che einen wichti­gen Ein­fluss auf unser Schmerzempfind­en. Soge­nan­nte Endor­phine wer­den bei kör­per­lich­er Bewe­gung aus­geschüt­tet und heben die Stim­mung — eine kör­pereigene Meth­ode, um das psy­chis­che Wohlbefind­en zu steigern. Bei chro­nis­chen Schmerzen nehmen die Betrof­fe­nen oft eine Schon­hal­tung ein, die dann wiederum selb­ständig den Schmerzkreis­lauf ver­stärkt. Bei Endometriose-Pati­entin­nen bet­rifft diese Schon­hal­tung und Verspan­nung oft den Beck­en­bo­den. Kör­per­liche Bewe­gung hil­ft Verkramp­fun­gen vorzubeu­gen oder sie zu lösen. Neben­bei wer­den Muskeln aufge­baut, Stress abge­baut und das Immun­sys­tem gestärkt – dies steigert das Wohlbefind­en zusät­zlich. Es ist nun an Ihnen her­auszufind­en, welche Sportart Ihnen gut­tut und für Sie auch dauer­haft in Ihren All­t­ag zu inte­gri­eren ist. Neben Muske­lauf­bau ist aber auch die gezielte Beck­en­bo­de­nentspan­nung wichtig.

Vie­len Frauen hil­ft Yoga oder Pilates, aber auch Aquas­port, Lauf- oder Wan­der­sport an der frischen Luft sind zu empfehlen. Auch von Beck­en­bo­dengym­nas­tik prof­i­tieren viele.

Bei speziellen Prob­le­men oder Fragestel­lun­gen kann Phys­io­ther­a­pie zusät­zlich sehr hil­fre­ich sein. Neben Übun­gen zur Kräf­ti­gung, Dehnung und zur Lösung von Verkramp­fun­gen, ste­ht die Tech­nik der tran­scu­ta­nen-Elek­tro-Ner­ven­stim­u­la­tion mit Biofeed­back (TENS) zur Ver­fü­gung. Hier­bei wer­den niedrig-fre­quente Stro­mim­pulse ver­wen­det, die die Schmerzempfind­lichkeit reduzieren sollen. Einige Kassen übernehmen diese Ther­a­pie — auch wenn abschließende wis­senschaftliche Beweise über ihre Wirk­samkeit (noch) fehlen.

Komplementäre Behandlungsverfahren — Osteopathie und traditionelle
chinesische Therapie mit Akupunktur.

Einige Pati­entin­nen machen gute Erfahrun­gen mit der TCM (Tra­di­tionelle Chi­ne­sis­che Medi­zin) und ihrer wichti­gen Säule der Akupunk­tur. Auch wenn hier häu­fig die wis­senschaftlichen Belege für eine Wirk­samkeit fehlen, kön­nen diese Ther­a­pi­en den medi­zinis­chen Behand­lungsansatz unter­stützen und begleit­en. Es ist hier­bei wichtig einen Ther­a­peuten zu find­en, zu dem man einen guten Zugang spürt und sich wohl fühlt.

Osteopathie

Lan­gan­hal­tende Schmerzen führen oft zu Fehlhal­tun­gen des gesamten Bewe­gungsap­pa­rates. Deshalb ist hier eine ganzheitliche Behand­lung erforder­lich. Die Osteopathie ist in unseren Augen ein wichtiger Aspekt, denn durch gezielte manuelle Behand­lung wer­den hier Muskeln und Faszien wieder gelöst und damit Fehlstel­lun­gen – vor allem vom Ileosacral-Gelenk – wieder gelöst. Gle­ichzeit­ig kön­nen auch der obere Schul­tergür­tel und das Zwer­ch­fell kön­nen betrof­fen sein. Manche Kassen leis­ten hier Zuzahlun­gen, so dass diese Form der Behand­lung unbe­d­ingt mit inte­gri­ert wer­den sollte.

Stressreduktion und „Hausmittelchen“

Wie oben bere­its beschrieben, ist psy­chis­ches Wohlbefind­en ein wichtiger Ansatz, um ein glück­lich­es Leben mit und trotz Endometriose zu führen. Auf sich selb­st zu acht­en und sich Zeit für sich zu nehmen sind Schritte, die auch ohne Endometriose ein Schlüs­sel zu mehr inner­er Aus­geglichen­heit sind. Auch wenn Stress in unserem voll­gepack­ten All­t­ag nie voll­ständig zu ver­mei­den ist, sollte man sich bewusste Auszeit­en nehmen und Stress soweit wie möglich reduzieren.

Hil­fre­ich gegen Schmerzen kön­nen auch alt­bekan­nte „Haus­mit­telchen“ sein, die viele Pati­entin­nen ohne­hin schon regelmäßig anwen­den. Durch Wärmean­wen­dun­gen auf den schmerzhaften Bere­ichen oder ein warmes Wan­nen­bad empfind­en viele Frauen eine spür­bare Lin­derung akuter Beschw­er­den. Bei ihnen wirkt Wärme entspan­nend, beruhi­gend und krampflösend. Auch Med­i­ta­tion, auto­genes Train­ing oder pro­gres­sive Muskel­re­lax­ation kön­nen diesen Effekt haben.

Therapiesäule 2: Operative Therapie

In unserem Zen­trum haben wir bere­its mehr als 15.000 Endometriosep­a­ti­entin­nen nach unser­er Philoso­phie und Erfahrung betreut. Es muss, wie bere­its im Diag­nos­tik­teil beschrieben, keine Oper­a­tion zur reinen Diag­nos­tik durchge­führt wer­den, kann aber natür­lich im Einzelfall auch sin­nvoll sein und muss indi­vidu­ell besprochen wer­den. Beispiel­sweise ist in eini­gen Län­dern die his­tol­o­gis­che Sicherung ein­er Endometriose oblig­at, bevor eine Kinder­wun­schbe­hand­lung ein­geleit­et wer­den kann (Öster­re­ich). Oder Ihrer­seits beste­ht der Wun­sch nach ein­er defin­i­tiv­en Klärung. Die Diag­nose ein­er rel­e­van­ten Endometriose ist durch erfahrene Unter­suchung jedoch meis­tens allein durch die Analyse Ihrer Beschw­er­den und die klin­is­che Unter­suchung zu stellen.

Wenn kein aktueller Kinder­wun­sch und kein Hin­weis auf Organ­destruk­tion beste­ht kann zunächst eine kon­ser­v­a­tive hor­monelle Ther­a­pie erfol­gen, soll­ten darunter die Beschw­er­den insistieren, kann abge­wartet wer­den. Soll­ten die Beschw­er­den aber unter ein­er hor­monellen Ther­a­pie weit­er beste­hen bleiben, dann sind Bauch­fell Herde wahrschein­lich und eine oper­a­tive Ent­fer­nung dieser macht Sinn. Für diese Entschei­dung ist es aber wichtig für min­destens 3 Monate blu­tungs­frei gewe­sen zu sein unter ein­er hor­monellen Ther­a­pie, hat­ten sie unter eine hor­monellen Ther­a­pie Blu­tun­gen sind damit dann meist auch Beschw­er­den assozi­iert, dann ist das
nachvol­lziehbar, weil diese Schmerzen durch die Gebär­mut­ter bed­ingt sind.

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sollte Ihnen eine Oper­a­tion empfehlen, wenn:

  1. sich in der klin­is­chen Unter­suchung Hin­weise auf eine tief infil­tri­erende Endometriose mit starken Beschw­er­den oder der Gefahr von bleiben­den Organ­schä­den zeigen. Als Beispiel sei hier ein Stau der Harn­leit­er oder Nieren erwäh­nt. Dies kann ein­seit­ig oder bei­d­seit­ig auftreten und bed­ingt auf län­gere Zeit den Funk­tionsver­lust der Niere.
  2. eine kon­ser­v­a­tive (nicht oper­a­tive) Ther­a­pie nicht zu ein­er aus­re­ichen­den Beschw­erdebesserung geführt hat.
  3. Ihrer­seits der drin­gende Wun­sch nach his­tol­o­gis­ch­er Sicherung der Diag­nose beste­ht. Die Diag­nose ein­er rel­e­van­ten Endometriose ist durch erfahrene Unter­suchung jedoch meis­tens allein durch die Analyse Ihrer
    Beschw­er­den und die klin­is­che Unter­suchung zu stellen und bedarf kein­er his­tol­o­gis­chen Sicherung.
  4. Sie seit mehr als einem Jahr trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr nicht schwanger wer­den. Allerd­ings sollte vor weit­eren Schrit­ten zunächst die Vorstel­lung in einem Kinder­wun­schzen­trum erfol­gen, ins­beson­dere um männliche Ursachen der Steril­ität auszuschließen.

Was ist mit Schmerzverbesserung? Ist das nicht auch eine OP-Indika­tion? Ja natür­lich, es sollte jedoch ein ganzheitlich­es Konzept ver­fol­gt wer­den; das bedeutet u.a. so wenig Oper­a­tio­nen wie möglich und wenn Oper­a­tion, dann so effek­tiv wie möglich. Da die Schmerzen bei Endometriose kom­plex sind, lassen sich lei­der nicht immer alle Schmerzen durch eine Oper­a­tion ent­fer­nen. In der Ver­gan­gen­heit hat eine man­gel­nde Analyse der Beschw­er­den und Schmerzen daher dazu geführt, dass viele Frauen zum Teil mehrfach ohne Erfolg operiert wur­den. Die Gründe für eine Oper­a­tion müssen daher gut über­legt wer­den. Es bleibt bere­its an dieser Stelle festzuhal­ten, dass nur ca. die Hälfte der Pati­entin­nen nach ein­er oper­a­tiv­en Endometrioseent­fer­nung beschw­erde­frei ist.

Bei Frauen mit bish­er nicht abgeschlossen­er Fam­i­lien­pla­nung ist das ober­ste Gebot der Organ­er­halt. Dadurch erk­lärt sich jedoch, dass nicht immer alle Endometriose­herde voll­ständig zu ent­fer­nen sind, wie z.B. bei einem Befall der Gebär­mut­ter selb­st (Ade­no­myosis uteri) oder bei einem Befall der Eier­stöcke. Diese kön­nen daher weit­er­hin Ursache von Schmerzen sein.

Zusät­zlich kann durch wiederkehren­den Schmerz über einen län­geren Zeitraum eine Schmerzchronifizierung auftreten, welche zu sekundären Beck­en­bo­den­verän­derun­gen führen kann und unbe­d­ingt mul­ti­modal ther­a­piert
wer­den sollte. Weit­ere Oper­a­tio­nen führen hier meist eher zu ein­er Schmerzverschlechterung.

Wenn Endometriose­herde im Bere­ich der Gebär­mut­ter liegen, erwä­gen manche Frauen mit sehr starken Beschw­er­den eine Oper­a­tion zur Ent­fer­nung der Gebär­mut­ter (Hys­terek­tomie). Dabei kön­nen auch an die Gebär­mut­ter angren­zende Herde ent­fer­nt wer­den. Eine Gebär­mut­ter­ent­fer­nung erwä­gen Frauen meist nur, wenn die Endometriose eine sehr starke Ein­schränkung ihres Lebens bedeutet, andere Behand­lun­gen nicht erfol­gre­ich waren und sie sich­er sind, dass sie kein Kind mehr bekom­men möcht­en. Das Alter ein­er Frau spielt bei der Entschei­dung für oder gegen eine Ent­fer­nung der Gebär­mut­ter eben­falls eine wichtige Rolle. Sin­nvoll ist eine Oper­a­tion zudem nur, wenn die Unter­suchungsergeb­nisse tat­säch­lich eine Besserung der Beschw­er­den erwarten lassen. Üblicher­weise wer­den bei ein­er Ent­fer­nung der Gebär­mut­ter die Eier­stöcke belassen, um die Bil­dung der Hor­mone zu erhalten.

Eine Gebär­mut­ter­ent­fer­nung allein gibt daher jedoch keine Garantie, dass die Endometriose danach geheilt ist. Solange die Eier­stöcke weit­er­hin funk­tionell aktiv sind und Östro­gen pro­duzieren, wer­den Endometriose­herde in anderen Lokali­sa­tio­nen weit­er­hin stim­uliert und kön­nen Beschw­er­den verur­sachen. Durch eine Ent­fer­nung der Eier­stöcke wird die Pro­duk­tion der weib­lichen Geschlecht­shormone gestoppt (kün­stliche Wech­sel­jahre), damit auch die Stim­u­la­tion der Endometriose­herde. Manche Frauen haben nach dieser Oper­a­tion durch den Weg­fall der Hor­mone aber so starke all­ge­meine Beschw­er­den, dass sie eine Hor­mon­be­hand­lung mit Östro­gen wün­schen. Dann kann es sein, dass die Hor­mon­prä­parate erneut Endometriose-Beschw­er­den aus­lösen. Eine Ent­fer­nung der Eier­stöcke wird im All­ge­meinen daher früh­estens ab dem 45. Leben­s­jahr in Betra­cht gezo­gen, auch um mögliche Langzeit­neben­wirkun­gen (erhöht­es Osteo­poroserisiko, erhöht­es Risiko für Herz­in­fark­te) möglichst ger­ing zu halten.

OP Zeitpunkt

Bezüglich des Oper­a­tionszeit­punk­tes im Zyk­lus gibt es keine ganz ein­heitliche Empfehlung.

Falls Sie aktuell eine hor­monelle Ther­a­pie ein­nehmen, empfehlen wir diese zu pausieren und die Oper­a­tion erst nach min­destens zwei Regel­blu­tun­gen durchzuführen. Laut Köh­ler et al. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19819448) kommt es durch die hor­monelle Ther­a­pie zu einem Down­stag­ing und Inak­tivierung der Endometriose­herde, welche während der Oper­a­tion nun nicht mehr so deut­lich gese­hen und daher häu­figer überse­hen wer­den kön­nen, sodass die Oper­a­tion ggf. nicht als voll­ständi­ge Ent­fer­nung der Endometriose erfol­gen kann.

Bei ein­er Abklärung wegen Kinder­wun­sch empfehlen wir außer­dem die Oper­a­tion zwis­chen dem 1. Und 10. Zyk­lustag durchzuführen, ins­beson­dere wenn die Oper­a­tion mit ein­er diag­nos­tis­chen Gebär­mut­ter­spiegelung und ein­er Durchgängigkeit­sprü­fung der Eileit­er (Chro­mop­er­tu­ba­tion) kom­biniert wird. Zu diesem Zeit­punkt sind bei nur ger­ing aufge­bauter Schleimhaut die Sichtver­hält­nisse in der Gebär­mut­ter bess­er. Außer­dem kann the­o­retisch in der zweit­en Hälfte des Zyk­lus nach dem Eis­prung eine Schwanger­schaft einge­treten sein, welche durch einen reg­ulären Urin­schwanger­schaft­stest noch nicht erkan­nt wird.

Bei Endometrios­esanierun­gen kann davon auch abgewichen wer­den, da die Darstell­barkeit von Endometriose­herden ins­beson­dere kurz vor der Blu­tung sowohl in der Gebär­mut­ter­spiegelung als auch in der Bauch­spiegelung beson­ders gut ist.

OP-Vorbereitung

Wenn der gemein­same Entschluss zu ein­er Oper­a­tion getrof­fen und ein OP Ter­min vere­in­bart wurde, müssen zuvor noch weit­ere vor­bere­i­t­ende Maß­nah­men durchge­führt wer­den. Dazu zählt die Oper­a­tionsaufk­lärung, in der Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin den all­ge­meinen Ablauf der Oper­a­tion und sowohl die all­ge­meinen als auch spez­i­fis­chen Risiken erläutert.

Wie läuft der Ein­griff genau ab? Kann es zu Neben­wirkun­gen oder Kom­p­lika­tio­nen kom­men? Der operierende Arzt oder die operierende Ärztin wird diese und weit­ere wichtige Fra­gen in einem ersten Gespräch mit Ihnen klären. Auch über Nach­sorge und Reha wird gesprochen.

Anschließend erfol­gt die Aufk­lärung durch den Narkosearzt. Dabei wer­den die ver­schiede­nen For­men ein­er Narkose, deren Ablauf und Risiken und ggf. auch speziellen Schmerzther­a­pi­en besprochen. Je nach Vor­erkrankun­gen oder Vor­op­er­a­tio­nen emp­fiehlt der Narkosearzt oder die Narkoseärztin noch weit­er­führende Unter­suchun­gen, um zum Beispiel die Funk­tions­fähigkeit von Herz und Lunge sicherzustellen.

Bei ein­er Blu­tent­nahme wer­den neben dem reg­ulären Blut­bild auch die Nieren­werte und die Gerin­nung kon­trol­liert. Der Wert CA 125 eignet sich nicht als Aktiv­itäts­mark­er für die Endometriose, da dies ein unspez­i­fis­ch­er Wert ist, welch­er bei Erkrankun­gen des Bauch­fells oder Eier­stocks erhöht ist, so auch bei Bauch­fel­lentzün­dun­gen oder Eierstockerkrankungen.

Sollte eine Oper­a­tion mit Darm­beteili­gung geplant sein, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen Empfehlun­gen bezüglich Abführmaß­nah­men vor der Oper­a­tion geben. Hier ist her­vorzuheben, dass wenn eine kom­plexe Endometriose­op­er­a­tion eventuell sog­ar mit Darmteil­re­sek­tion geplant wird, es sich emp­fiehlt eine lokale Schmerzther­a­pie (Peridu­ralanäs­the­sie) für die post­op­er­a­tive Schmerzkon­trolle in Erwä­gung zu ziehen. Darüber kön­nen dann Schmerzmit­tel gegeben wer­den und wir müssen weniger über den ganzen Kör­p­er geben, was wiederum Neben­wirkun­gen hat. Das hört sich zwar im ersten Moment etwas gruselig an, ist aber meist von großem Vorteil und wird auch von uns Gynäkolo­gen empfohlen.

Wir bit­ten Sie am Tag oder am Mor­gen vor der Oper­a­tion auch noch mal ein beson­deres Augen­merk auf Ihre Kör­perpflege zu leg­en, dazu zählt ins­beson­dere bei ein­er Bauch­spiegelung auch die Reini­gung des Nabels.

OP-Ablauf

Für eine geplante Oper­a­tion emp­fiehlt es sich nüchtern zu sein. Dies bedeutet, dass zwis­chen der let­zten Auf­nahme von Nahrung und Getränken und der Oper­a­tion min­destens sechs Stun­den ver­gan­gen sein soll­ten. Dazu zählen auch Kau­gum­mi kauen und rauchen. Klare Getränke wie Wass­er oder Tee ohne Zusätze sind in kleinen Men­gen bis zu zwei Stun­den vor ein­er Oper­a­tion möglich. Diese stren­gen Regeln dienen dazu Sie vor ein­er soge­nan­nten Aspi­ra­tionsp­neu­monie zu schützen! Dabei läuft Magen­in­halt mit Magen­säure die Speis­eröhre hoch in die Lunge und kann dort zu ein­er schw­eren Lun­genentzün­dung führen. Bei geplanten, sog. elek­tiv­en Ein­grif­f­en möcht­en wir dieses Risiko für Sie daher nicht einge­hen und beste­hen auf die oben genan­nten Nüchternzeiten.

Nach­dem Sie vom OP Team abgerufen wor­den, wer­den Sie vom Pflegeper­son­al oder einem Ser­viceteam in den OP gebracht. Dort empfängt Sie für gewöhn­lich die Anäs­the­siepflege und der Narkosearzt oder – ärztin. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird je nach Tätigkeit auch hier nochmals ver­suchen für Sie und eventuell noch vorhan­den Fra­gen zur Ver­fü­gung zu stehen.

Die Durch­führung ein­er Endometriose-OP erfol­gt im Nor­mal­fall per Bauch­spiegelung (Laparoskopie), dh. Min­i­mal- inva­siv. Eine Endometrios­esanierung kann je nach Aus­maß 20 Minuten bis zu mehreren Stun­den dauern. Bei ein­er Laparoskopie geht man für gewöhn­lich über den Bauchn­abel in den Bauch ein und pumpt dann Kohlen­stoff­diox­id in den Bauch, damit sich die Bauchdecke von den Orga­nen abhebt und man dann mit deut­lich reduziertem Risiko die Arbeit­strokarhülsen in die notwendi­gen Posi­tio­nen im Unter­bauch ein­brin­gen kann. Für gewöhn­lich sind dies zwei bis drei ca. 1 cm lange Ein­schnitte links, mit­tig und rechts im Unter­bauch. Soll­ten Sie bere­its mehrfach voroperiert sein, ist es ggf. eine sichere Vari­ante den ersten Trokar links­seit­ig unter­halb des Rip­pen­bo­gens einzuführen um von dort die Kam­era einzuführen und eventuell vorhan­den Verwach­sun­gen von Vor­op­er­a­tio­nen im Bere­ich des Nabels unter Sicht zu ent­fer­nen und dann die Oper­a­tio­nen im gewohn­ten Ablauf durchzuführen.

Bei ein­er Bauch­spiegelung wer­den zunächst alle Bau­chor­gane dargestellt, dazu zählen auch das Zwer­ch­fell, die Leber, die Milz, der Magen, der Darm und der Blind­darm. Erst dann inspiziert man die weib­lichen Organe im kleinen Beck­en. Während ein­er Laparoskopie kann die Fotodoku­men­ta­tion für gewöhn­lich erfol­gen, dass man Ihnen nach ein­er Oper­a­tion die Befunde und Oper­a­tionss­chritte bei Bedarf demon­stri­eren kann.

Sehr sel­ten, meist nur in ein­er Not­fall­si­t­u­a­tion, ist es notwendig für eine Endometrios­esanierung über einen Bauch­schnitt zu operieren. Dieser kann dann entwed­er quer im Unter­bauch über ca. 10 cm oder längs vom Scham­bein bis zum Nabel erfol­gen, sehr sel­ten darüber hinaus.

Wenn ein Teil des Darmes ent­fer­nt wer­den muss, wird in der Regel der betrof­fene Teil her­aus­geschnit­ten und die gesun­den Enden direkt wieder zusam­men­genäht (Anas­to­mose). Die meis­ten Dar­men­dometriosen liegen im Bere­ich des End­darms, welch­er eine Reser­voir-Funk­tion hat, bis der Reiz zur Stuh­lentleerung auftritt. Dieser Darm­bere­ich muss daher große Vol­u­men­verän­derun­gen tolerieren kön­nen. Eine Naht bei Teil­re­sek­tio­nen im Bere­ich des End­darms ist daher extrem großen Belas­tun­gen durch wiederkehrende Dehnung der Darmwand aus­ge­set­zt. Daher kann es manch­mal notwendig sein einen (vorüberge­hend) kün­stlichen Dar­maus­gang anzule­gen. Dabei wird ein Stück Dün­ndarm an die Bauchdecke genäht, sodass der Stuh­lin­halt bere­its weit ober­halb der Naht im End­darm abfließen kann. So kann die Anas­to­mose ohne Dehnungsreize in Ruhe heilen und der kün­stliche Dar­maus­gang nach weni­gen Wochen zurück­ver­legt wer­den. Ein dauer­hafter kün­stlich­er Dar­maus­gang ist nur sehr sel­ten erforderlich.

Soll­ten in der Oper­a­tion Endometriose­herde im Bere­ich außer­halb des kleinen Beck­ens auftreten, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ggf. Oper­a­teure aus anderen Fach­abteilun­gen zur Oper­a­tion hinzuziehen, sodass eine Darm­beteili­gung ggf. durch den All­ge­meinchirur­gen oder eine Endometriose des Harn­leit­ers ggf. durch den Urolo­gen operiert wird. Je nach Aus­bil­dung Ihres Gynäkologen/ Ihrer Gynäkolo­gin kön­nen ein­fachere Ein­griffe jedoch auch ohne die Hil­fe ander­er Fach­abteilung durchge­führt werden.

Ziele der Operation:

  1. Sicherung der Diag­nose (durch his­tol­o­gis­che Analyse)
  2. Fest­stel­lung der Endometriose Ausbreitung
  3. Reduk­tion von Beschw­er­den durch max­i­male Endometrios­esanierung, ggf. mit verbleiben­den Befun­den je nach vor der Oper­a­tion erfol­gter Absprache (Uterus bei Ade­no­myosis uteri und nicht abgeschlossen­er Fam­i­lien­pla­nung, leichter Darm­be­fall ohne Beschw­er­den um eine Dar­m­op­er­a­tion zu vermeiden, …)

Nach der Operation

Nach der Oper­a­tion ver­brin­gen Sie zunächst einige Stun­den im Aufwachraum, dort wer­den Sie gefragt ob Sie Schmerzen haben und erhal­ten dort, falls nötig, auch sofort zusät­zlich Schmerzmit­tel. Aus dem Aufwachraum wer­den Sie im Nor­mal­fall auf die nor­male Kranken­sta­tion ver­legt und dort weit­er betreut. Je nach Oper­a­tionszeit­punkt und abhängig vom restlichen Oper­a­tionspro­gramm des Tages wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin noch am OP Tag oder spätestens am Fol­ge­tag mit Ihnen über Ihre Befunde und den Ver­lauf der Oper­a­tio­nen sprechen. Außer­dem wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen nun indi­vid­u­al­isierte Empfehlun­gen zum weit­eren Pro­cedere geben können?

Check­liste Fra­gen an meinen Arzt:

● Habe ich über­haupt Endometriose?
● Wie aus­ge­bre­it­et war meine Erkrankung?
● Welche weit­eren Behand­lungsmöglichkeit­en kom­men für mich in Frage?
● Welche Vor- oder Nachteile haben diese?
● Empfehlen Sie mir weit­ere Behand­lun­gen?
● Habe ich Anspruch auf ein­er Anschlussheil­be­hand­lung (AHB)?
● Wann soll ich mich das näch­ste Mal bei Ihnen vorstellen?

Je nach Aus­maß der Oper­a­tion wer­den Sie zwis­chen 1 bis 5 Nächte nach der Oper­a­tion im Kranken­haus ver­brin­gen. Der Blasenka­theter kann für gewöhn­lich nach dem ersten Auf­ste­hen ent­fer­nt wer­den, gele­gentlich noch am Abend der Oper­a­tion, meist am näch­sten Mor­gen. Sollte in Ihrer Oper­a­tion eine Blasen­teil­re­sek­tion erfol­gt sein, muss der Katheter für gewöhn­lich 7 bis 10 Tage verbleiben, damit die Blasen­wunde ungestört abheilen kann.

Da im Rah­men der Oper­a­tion gele­gentlich auch die Ner­venge­flechte der Blase dargestellt wer­den, prüfen wir ob sie nach der Oper­a­tion gut Wass­er lassen kön­nen. Hier kann es manch­mal zu Störun­gen kom­men, so dass hier ein beson­deres Train­ing erforder­lich wird. Es heißt dann Ruhe bewahren, die Ner­ven­ver­sorgung ist meist nur irri­tiert und benötigt einige Tage bis wenige Wochen Zeit zu regener­ieren. Dafür leg­en wir meist erneut einen Blasenka­theter, gele­gentlich unter­stützen wir diese Phase mit speziellen Medikamenten.

Im Laufe des sta­tionären Aufen­thaltes sollte sich der Sozial­dienst bei Ihnen vorstellen um mit Ihnen über Reha­bil­i­ta­tion­s­maß­nah­men oder eine Anschlussheil­be­hand­lung zu sprechen. Dabei gibt es bes­timmte Ein­rich­tun­gen, welche auf Endometriose spezial­isiert sind. Gern kön­nen Sie sich darüber auf den
Inter­net­seit­en der Deutschen Endometrio­sev­ere­ini­gung vor dem Gespräch informieren.

Therapiesäule 3: Medikamentöse Therapie

Die Behand­lung mit Medika­menten zielt in erster Lin­ie darauf ab, starke Schmerzen oder Krämpfe im Zusam­men­hang mit der Regel­blu­tung zu lin­dern oder zu beseit­i­gen. Dazu bieten sich Schmerzmit­tel und hor­monelle Wirk­stoffe an, die den Eis­prung unter­drück­en (Hor­monelle Down­reg­u­la­tion). Bei wiederkehren­den, aber nicht extrem belas­ten­den Unter­bauchbeschw­er­den kön­nen Schmerzmit­tel oder Gesta­gene in Form von Mono- oder Kom­binierten Prä­parat­en eine spür­bare Lin­derung bewirken. Diese Prä­parate sind oft recht gut verträglich und eignen sich daher meist auch für junge Frauen mit Endometriose. Wenn sie nicht genug Erle­ichterung brin­gen, kom­men auch stärkere Medika­mente infrage.

Schmerzmit­tel

Zur Behand­lung von Regelbeschw­er­den, aber auch bei Endometriose, wer­den häu­fig Schmerzmit­tel aus der Gruppe der soge­nan­nten nicht steroidalen Antirheumati­ka (NSAR) einge­set­zt. Diese reduzieren die Fre­itzung von
Schmerzboten­stof­fen. Hierzu gehören zum Beispiel die Wirk­stoffe Ibupro­fen, Diclofenac und Parac­eta­mol. Einige dieser Medika­mente sind frei verkäu­flich, andere vor allem in höheren Dosierun­gen ver­schrei­bungspflichtig. Auch Novla­gin, Metami­zol sind gut geeignet.

NSAR kön­nen starke Regelschmerzen wirk­sam lin­dern und sind meist gut verträglich, solange der Schmerz ein akuter Schmerz ist. Anfangs zeigt die klin­is­che Erfahrung, dass sie bei Regelschmerzen dur­chaus effek­tiv helfen kön­nen. Es gibt aber wenig Stu­di­en, die die Wirk­samkeit bei anderen durch Endometriose verur­sacht­en Schmerzen unter­suchen. Diese Medika­mente kön­nen Neben­wirkun­gen wie Magenbeschw­er­den, Übelkeit und Kopf­schmerzen haben. Ohne ärztliche Beratung dür­fen Schmerzmit­tel daher nicht häu­fig oder über län­gere Zeit ein­genom­men werden.

Mit der Zeit kön­nen diese Medika­mente aber ihre Wirkung ver­lieren, Frauen müssen mehr und mehr Schmerzmit­tel nehmen, hier kom­men dann Chronifizierungsmech­a­nis­men zum Tra­gen oder einen Progress der Endometrioseläsionen.

Regelschmerzen die nicht mit 1–2 Ibupro­fen 600 mg gut behan­del­bar sind, so dass keine Arbeit­sun­fähigkeit und/Oder Bet­tlägerigkeit beste­ht, soll­ten weit­er abgek­lärt werden.

Manche Kol­le­gen empfehlen dann zur Behand­lung stark­er Schmerzen auch soge­nan­nte Opi­oide. Diese Mit­tel ahmen die Wirkung kör­pereigen­er schmerzhem­mender Stoffe nach und bee­in­flussen die Schmerzempfind­ung im Gehirn. Opi­oide dür­fen nur nach ärztlich­er Verord­nung einge­set­zt wer­den. Vor allem bei den stärk­er wirk­samen Opi­oiden beste­ht bei län­ger­er Anwen­dung das Risiko ein­er Abhängigkeit. Als Neben­wirkun­gen kön­nen zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Ver­stop­fung, Müdigkeit, Schwindel und Blut­druckschwankun­gen auftreten. Auch zur Wirkung dieser Schmerzmit­tel bei Endometriose liegen bis­lang keine ver­lässlichen Dat­en vor und sind nicht indiziert ohne dass dies unter der Obacht sehr erfahren­er Endometrios­espezial­is­ten – und Schmerzther­a­peuten
genom­men wird.

Hor­monelle Behandlungen

Hor­monelle Wirk­stoffe unter­drück­en die kör­pereigene Hor­mon­pro­duk­tion in den Eier­stöck­en und damit auch den Eis­prung und die Monats­blu­tung. Sie sind für Frauen, die schwanger wer­den möcht­en, nicht geeignet.

Wir leg­en Wert darauf, dass sie die Abläufe im hor­monellen Zyk­lus ver­ste­hen, um den Effekt der kör­pereige­nen Hor­mon­bil­dung auf Endometriose und auch den Effekt ein­er Hor­mon­ther­a­pie auf die Endometriose ver­ste­hen. Wichtig ist, dass sie sich so ihre eigene Mei­n­ung hin­sichtlich Risiko/Nutzen Abwä­gung für sich per­sön­lich tre­f­fen
kön­nen. Uns geht es um ihre Leben­squal­ität unter Berück­sich­ti­gung der Aspek­te ein­er unbe­han­del­ten Endometriose.

Ein derzeit mod­ern­er Trend, gibt vor, dass Hor­mone mehr Nachteile erbrin­gen als Vorteile und dies mag für Frauen ohne hor­mon­ab­hängige Erkrankun­gen wie Endometriose auch dur­chaus seine Berech­ti­gung haben. Im Falle ein­er
Endometriose­be­hand­lung liegt aber eine medi­zinis­che Indika­tion vor.

Wir haben das Prob­lem, dass:

  1. Unbe­han­delte Endometrios­eschmerzen oft extrem stark sind, die kaum mit mul­ti­modalen Ther­a­pi­en beherrschbar sind und zudem, wenn diese unef­fek­tiv behan­delt wer­den mehr und mehr zur Schmerzchronifizierung führen, die dann wiederum sekundäre Verän­derun­gen wie Beck­en­bo­dendys­funk­tion und zunehmende Schmerzen auch im Beck­en­bere­ich wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr Wasser­lassen und Stuhl­gang bedingen
  2. Unter dem nor­malen Zyk­lus kann Endometriose fortschre­it­en, soll­ten Organe noch nicht geschädigt sein, kann dies im Ver­lauf von Jahren mit möglicher­weise Schädi­gung der Frucht­barkeit einhergehen
  3. Auch nach oper­a­tiv ent­fer­n­ter Endometriose hat diese Erkrankung eine starke Rezidiv-Nei­gung (10%/Jahr bei Bauch­fell Her­den; 30% bei Zys­ten), auch diese ist sig­nifikant reduziert bei der Ein­leitung ein­er hor­monellen
    Dauerther­a­pie, beson­ders wichtig, wenn es Zys­ten gab und bere­its am Eier­stock operiert wurde. Drin­gend sollte hier eine weit­ere Organ­schädi­gung durch das Auftreten erneuter Zys­ten ver­mieden wer­den,
    bis der Kinder­wun­sch umge­set­zt wer­den kon­nte. Dies wird zu wenig beachtet, auch nach bere­its ein­er einzi­gen Oper­a­tion am Eier­stock kann hier eine irrepara­ble Schädi­gung vor­liegen. Bzw. eine sich weit­er entwick­el­nde Ade­no­myosis die Schwanger­schaftschan­cen und auch die Schwanger­schaft­skom­p­lika­tio­nen stark beeinflussen.

Aus unsere Sicht sind dies lei­der schw­er­wiegen­den Gründe die Endometriose zu behandeln.

Dem gegenüber ste­hen allerd­ings Nebenwirkungen

Viele Frauen kla­gen vor allem bei dem bekan­nten Gesta­gen­mono­prä­parat “Dienogest” unter Schmierblu­tun­gen. Diese sind oft mit Schmerzen assozi­iert. Das ist an sich keine Neben­wirkung, son­dern eine inef­fek­tive Wirkung, denn dann sind Ihre Eier­stöcke stärk­er als das Gesta­gen. Sie lassen sich sozusagen nicht „schlafen“ leg­en, und die hor­monelle Down­reg­u­la­tion ist unzure­ichend, der Eier­stock aktiv, bildet Fol­likel, die dann auch Östro­gene bilden, die Schleimhaut in der Gebär­mut­ter baut sich etwas auf und Schwup­ps sind Blu­tun­gen da. Das kann man erken­nen, indem man mit dem Ultra­schall nach Funk­tion­sze­ichen an den Eier­stöck­en und der Dicke der Schleimhaut in der Gebär­mut­ter schaut. In diesem Fall macht eine Dosis­er­höhung (1–0‑1) Sinn, bzw. wenn die Blu­tung nach 7 Tagen nicht aufhört auch eine Pause von 7 Tagen, damit die Schleimhaut abbluten kann. Dann fängt es wieder an. Sollte dies so sein, ist das ver­ständlicher­weise nicht schön und auch nicht sin­nvoll und so ja auch nicht medi­zinisch angedacht. Je länger man das also ver­sucht, desto größer ist die Wahrschein­lichkeit, dass diese Blu­tun­gen aufhören. Ziel ist es schlussendlich blu­tungs­frei zu sein. Nur wenn man blu­tungs­frei ist, kann man die Wirk­samkeit des Medika­ments auf die Endometriose überprüfen.

Kom­men wir nun zu den wirk­lichen Neben­wirkun­gen, das kön­nen Gesta­gen-bed­ingte Neben­wirkun­gen sein, wir ken­nen das alle wie wir uns fühlen vor unseren Tagen, wenn auch das natür­liche Gesta­gen im Kör­p­er über­wiegt: unreine Haut, Stim­mungss­chwankun­gen bis hin zu Depres­sio­nen, Wasserein­lagerun­gen, Brustscherzen, da müssen Sie eben­falls für sich abwä­gen, Sie soll­ten nicht zu vor­eilig das Medika­ment abset­zen, meist gibt sich das bei vie­len Pati­entin­nen nach 3–4 Monat­en. Wenn dann die Neben­wirkun­gen gegenüber dem Nutzen über­wiegen kön­nen wir nach anderen Gesta­ge­nen schauen, die bess­er verträglich sind. In Deutsch­land ist nur das “Dienogest” zuge­lassen für die Behand­lung der Endometriose, das heißt dies wird von der Krankenkasse bezahlt, andere nicht und sind dann als off-label use verfügbar.

Grund­sät­zlich kann man auch kom­binierte Prä­parate wie die Pille nehmen, die dann Ethinylestra­di­ol und Dienogest (in der gle­ichen Dosierung wie Dienogest mono) pro­bieren. Hier ist die Verträglichkeit zum Teil deut­lich bess­er, demge­genüber ste­ht aber der Östro­genan­teil in dem Prä­parat, von dem wir auf Dauer nicht recht wis­sen, ob es nicht auch einen Wach­s­tum­sef­fekt auf Endometriosezellen hat. Daher ist das die Gesta­gen­monother­a­pie derzeit als erste Wahl zu betra­cht­en in der Ein­leitung der Hor­mon­ther­a­pie und in der zweit­en Wahl dann andere Präparate.

Am wichtig­sten ist uns allerd­ings Ihre Leben­squal­ität. Wenn also Hor­mone (sys­temisch, d.h. als Tablette) nicht ver­tra­gen wer­den, ist es schwierig, aber auch hier gibt es Wege. Das muss dann indi­vidu­ell gek­lärt wer­den. Wichtig ist aber erst ein­mal, dass Sie das Prinzip ver­ste­hen und so für sich Ihre Ein­stel­lung dazu find­en können.

Dann kann man z.B. auch eine lokale hor­monelle Ther­a­pie mit ein­er Gesta­gen-halti­gen Spi­rale (LNG-Spi­rale) über­legen. Diese wird in die Gebär­mut­terein­gelegt. Sie gibt das Hor­mon lokal ab, es geht nur in ganz geringem Maße in das Blut über (man kann es im Blut nach­weisen, die Konzen­tra­tion ist aber nicht hoch genug, um den Zyk­lus zu bee­in­flussen, d.h. der Zyk­lus bleibt beste­hen). Viele Frauen, die unter sys­temis­chen hor­monellen Ther­a­pi­en vor allem unter Depres­sio­nen lei­den, kom­men mit der Spi­rale viel bess­er zurecht. Aus­nah­men bestäti­gen die Regel, aber einen Ver­such ist es defin­i­tiv wert!!!

Die Stu­di­en­lage zur Endometriose ist begren­zt . Zuge­lassen ist die LnG-haltige Spi­rale aber für das Vor­liegen der Hyper­me­n­or­rhoe (sehr starke Regel­blu­tung) und das haben viele Frauen mit Ade­no­myosis uteri und daher kann dies auch dies­bezüglich eine sehr gute Besserung erbrin­gen. Der Effekt ist vor allem lokal, also sind auch Regelschmerzen oft deut­lich bess­er, auf eine schwere Endometriose im Bauchraum hat diese daher wenig bis eher keinen Effekt.

Die LNG-Spi­rale wird auch als Ver­hü­tungsmit­tel einge­set­zt; aus dieser Anwen­dung sind mögliche Neben­wirkun­gen wie Zwis­chen­blu­tun­gen, Unter­bauchbeschw­er­den, Akne und Brustspan­nen bekan­nt. Daran sieht man, dass es in geringem Maße ins Blut überge­ht und beson­ders Hor­mon-sen­si­ble Frauen auch reagieren kön­nen, aber wie gesagt, es ist einen Ver­such wert.

Sel­ten lassen sich die Eier­stöcke ein­fach nicht down reg­ulieren, dann bleibt manch­mal bei starken Schmerzen nur die Option der zen­tralen Down­reg­u­la­tion mit GnRh- Analo­ga (kün­stliche Wech­sel­jahre). Das hört sich auch schreck­lich an, ist aber lei­der nach wie vor in solchen Sit­u­a­tio­nen eine effek­tive Ther­a­pie. Das Medika­ment an sich hat eigentlich keine Neben­wirkun­gen, es ist ein Nach­bau des kör­pereige­nen Hor­mons. Durch die Gabe (Spritze) erfol­gt eine Dauer­stim­u­la­tion der Rezep­toren und dann kommt der Zyk­lus auf der Schalt­stelle des Hypo­thal­a­mus zum
Erliegen, so dass dann wirk­lich keine Stim­u­la­tion vom Gehirn mehr erfol­gen kann. Die Neben­wirkun­gen sind qua­si das was wir erre­ichen wollen, näm­lich eine Down­reg­u­la­tion der Eier­stöcke, die nun keinen Mucks mehr machen. Der
Östro­gen­man­gel führt in dem Moment dann zu Hitze­wal­lun­gen, Schlaf- und Konzen­tra­tionsstörunge, alle das was uns in des Wech­sel­jahren erwarten kann aber nicht muss. So ist es auch bei jün­geren Frauen, nicht alle haben so extreme Neben­wirkun­gen, das kommt auch auf den Fettspe­ich­er zB an, dort wer­den auch Östro­ge­nen gebildet. Um die Neben­wirkun­gen abz­u­fan­gen gibt man daher in der Regel eine add back Ersatzther­a­pie dazu, das ist eine ger­ingfügige Dosis von Östrogen/Progesteron, damit die Behand­lung gut erträglich ist. Tat­säch­lich gibt es
einige Pati­entin­nen, die darunter eine deut­liche Schmer­zlin­derung erlebt haben und nur damit die Schmerzen beherrschen kon­nten und bei denen sog­ar eine Dauerther­a­pie möglich ist. Das Wichtig­ste hier ist auch die Knochen­dichte zu berück­sichti­gen. Ohne add back HRT dür­fen GnRha nicht länger als ins­ge­samt 12 Monate gegeben wer­den. Daher fan­gen wir mit der add back Ther­a­pie mögliche Auswirkun­gen auf den Knochen ab.

Watch & Wait (Beobachten & Warten)

Nicht immer muss sofort eine hor­monelle oder oper­a­tive Ther­a­pie ein­geleit­et wer­den, wenn der Ver­dacht auf Endometriose beste­ht oder wenn sie bere­its his­tol­o­gisch gesichert ist. Ein abwartendes Ver­hal­ten macht vor allem dann Sinn, wenn Sie einen aktuellen Kinder­wun­sch haben, aber noch nicht ver­sucht haben schwanger zu wer­den. Es stimmt zwar, dass Kinder­losigkeit bei Endometriose ein wichtiges The­ma ist. Trotz­dem wer­den knapp die Hälfte der Endometriose Pati­entin­nen spon­tan schwanger. Da durch eine Schwanger­schaft und auch in der sich anschließen­den Stil­lzeit meist keine Peri­o­den­blu­tung auftritt, sind die Beschw­er­den durch eine Schwanger­schaft oft deut­lich gelin­dert. Es macht also dur­chaus Sinn zu pro­bieren, ob es mit der spon­ta­nen Schwanger­schaft klappt. Sollte nach einem Jahr trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehrs (min. 2 pro Woche) keine Schwanger­schaft einge­treten sein, ist eine Vorstel­lung in einem Kinder­wun­schzen­trum zu empfehlen und auch über eine Endometriose-OP soll­ten Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Auch wenn Sie trotz Endometriose nur einen leicht­en Lei­dens­druck haben, muss nicht sofort gehan­delt wer­den. Es kann in diesem Fall aus­re­ichen seinen Lebensstil im Sinne des mul­ti­modalen Ther­a­piekonzeptes zu verän­dern. Soll­ten Sie und Ihre behan­del­nden Ärzte sich für ein beobach­t­en­des Konzept entschei­den, ist eine regelmäßige ärztliche Kon­trolle indiziert.

Straßenuhr welche 16:04 Uhr anzeigt, in einer schwarz-weiß Photographie.

Wiedervorstellung

Je nach Befund und beschlossen­er Ther­a­pie wird mit Ihnen ein Wieder­vorstel­lung­ster­min vere­in­bart. Da Endometriose eine chro­nis­che Erkrankung ist, wird Sie sie bis zum Ein­treten Ihrer Wech­sel­jahre begleit­en. Wie häu­fig Ihre Ärzte Sie zu Ver­lauf­skon­trollen einbestellen wer­den, ist abhängig von Ihrem Erkrankungssta­di­um, der gewählten Ther­a­pie und Ihren Plä­nen und Vorstel­lun­gen. Oft macht es Sinn sich bere­its nach drei Monat­en zur Kon­trolle vorzustellen, wenn ein neues Ther­a­piekonzept fest­gelegt wurde. So kann her­aus­ge­fun­den wer­den, ob Ihnen die neue Ther­a­pie hil­ft oder ob es zum Beispiel Anwen­dung­sprob­leme gibt. Auch nach ein­er erfol­gten Oper­a­tion und begonnen­er Anschlussther­a­pie ist eine kurzfristige Wieder­vorstel­lung zu empfehlen. Soll­ten Sie sich dage­gen für den Ver­such ein­er spon­ta­nen Schwanger­schaft entsch­ieden haben, ist vielle­icht auch erst dann eine Wieder­vorstel­lung nötig, wenn diese nicht spon­tan eintritt.

Fra­gen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt also bei jedem Besuch genau, wann sie oder er Sie das näch­ste Mal sehen möchte und vere­in­baren Sie am Besten umge­hend einen Termin.

Leben und Alltag

Endometriose ist eine Erkrankung, die viele wichtige Lebens­bere­iche betr­e­f­fen kann – vom Selb­st­ge­fühl als Frau bis hin zu Part­ner­schaft, Fam­i­lien- und Lebensplanung.

Um einen Weg zu find­en, trotz der Beschw­er­den eine möglichst gute Leben­squal­ität zu erhal­ten, müssen einige Entschei­dun­gen getrof­fen wer­den. Dabei helfen gute Infor­ma­tio­nen – über die Art der Ther­a­pie wie über Möglichkeit­en, das eigene Leben so zu organ­isieren, dass die Beschw­er­den den All­t­ag möglichst wenig belasten.

Wichtig ist eine gute Betreu­ung und Begleitung durch eine Ärztin oder einen Arzt mit umfassenden Erfahrun­gen in der Diag­nose und Behand­lung von Endometriose. Ärztliche Begleit­er soll­ten sich auch mit den kör­per­lichen wie psy­chis­chen Belas­tun­gen und sozialen Auswirkun­gen der Erkrankung ausken­nen. Es kann hil­fre­ich sein, eine zweite Mei­n­ung her­anzuziehen, wenn schwierige Entschei­dun­gen anste­hen, wie zum Beispiel für oder gegen eine Operation.

Um mit Endometriose und ihren möglichen Fol­gen umge­hen zu kön­nen, ist eine gute Unter­stützung durch Fam­i­lie, Part­ner oder Fre­unde wertvoll. Dies set­zt voraus, dass auch Ange­hörige über die Erkrankung informiert sind und Ver­ständ­nis für die Belas­tun­gen auf­brin­gen, die sie mit sich bringt. Für manche Frauen bedeutet auch der Aus­tausch mit anderen Betrof­fe­nen in ein­er Selb­sthil­fe­gruppe eine wichtige Unter­stützung. Andere möcht­en ihre Prob­leme lieber für sich lösen. Entschei­dend ist, dass jede Frau ihren eige­nen Weg find­et, mit der chro­nis­chen Erkrankung
umzuge­hen.

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